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Stadt St.Gallen
13.08.2022
13.08.2022 09:59 Uhr

Mundart-Kolumne «Hopp Sanggale!»

Bild: pd
Susan Osterwalder-Brändle erforschte während Jahren den St.Galler Dialekt. Mit «Hopp Sanggale!» entstand ein Werk mit rund 3000 Mundartbegriffen und Redensarten, die zum Teil schon in Vergessenheit geraten sind. Auf stgallen24 leben sie wieder auf. Heute: weibliche Schimpfwörter von «Beeri bis Zwätschge»

Vo Beeri bis Zwätschge; weibliche Schimpfwörter

Kürzlich ist mir aufgefallen, dass ich ein Versprechen aus einer meiner ersten Kolumnen noch nicht eingelöst habe. Ich berichtete zwar schon einmal über die Chleechue und wollte damals eine Zusammenfassung vieler mir bekannten und in meinem Mundartwörterbuch «HoppSanggale!» vermerkten Schimpfwörter oder sagen wir «wenig schmeichelhaften Kosenamen» für die Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts publizieren.

Dieses Versprechen löse ich hier und heute ein. Keine Angst liebe Damen, es folgen auch noch männliche Pendants. Davon gibt es jedoch vergleichsweise weniger an der Zahl. Das lässt tief blicken und wirft zugegebenermassen Fragen auf. Denen ich heute aber nicht nachgehen kann und werde.

Nur soviel: ich schwöre an dieser Stelle schon mal hoch und heilig, dass ich niemanden in seiner/ihrer Ehre und Integrität verletzen, in irgendeiner Weise denunzieren, herabsetzen oder schockieren möchte. Verbale Angriffe liegen mir fern, genauso wie kulturelle Aneignungen, rassistische Verfehlungen, gendertechnische Ungeschickt- oder politische Unkorrektheiten und ähnliches. Es ist nun mal einfach so, dass unsere traditionellen, in der St.Galler Mundart verwurzelten Verbalinjurien nicht gerade zimperlich daher kommen. Nachdem wir das erledigt haben und ich «frei Schnauze» aus dem Nähkästchen, respektive dem St.Galler Mundartwörterbuch plaudern darf, schiesse ich mit der ganzen, geballten Ladung los.
Da wäre also s’ Beeri, d’ Chleechue, d’ Chleefe, d’ Chlepfere, s’ Chlepfschitt, d’ Chuebabe, s’ Chuefödle, d’ Gäggere, d’ Gluggere, d’ Guggumere, und d’ Gumsle.

Herrgottstonder, Malefiztonder und Pflogg dürfen für alle Geschlechter und nicht nur für die Damen der Schöpfung verwendet werden. Wiederum ausgesprochen weibliche Beleidigungen wären da weiter: Pflottere, Pfohl, Schachtle, Schälle, Scheese, Schnalle und Schnodertrogge.

Wenn es sich um eher schlampige Geschlechtsvertreterinnen handelt, hätte ich da noch d’ Fadehäx, s’ Gschierrwiib, d’ Suballe, d’ Grusälä und d’ Pfane anzubieten. Eine Tratschtante ist ein Wöschwiib, eine dumme Person e Baabe oder en Tochte.

Natürlich gibt es aber auch «eher anerkennende» (!) Begriffe wie e’ Gritte, oder e Schnette. Dä mager Hoogge ist eine sehr schlanke Frau (man kann es ja keinem recht machen) und die Meckertante eine Giftschprötze.

Das also ein kleiner Querschnitt über Mundart-Nettigkeiten, die wohl keine Frau gerne hört. Aber sollten sie mal Bedarf zur Verwendung haben, steht ihnen hier nun wenigstens eine breite Auswahl zur Verfügung. In meinem Buch gibt’s noch mehr davon.

Mein Titel heute lautet: «Vo Beeri bis Zwätschge!»

Es ist mir aber aufgefallen, dass es eigentlich auch ein weibliches Schimpfwort mit «A» gibt. Nur ist das nicht explizit St.Galler Mundart. Das habe ich kürzlich nämlich am eigenen Leib erfahren, respektive hören müssen.

Ich war friedlich mit meinem Hund unterwegs und überquerte eine Schulwiese, auf welcher Leinenpflicht gilt. Plötzlich sehe ich in einer Ecke Jugendliche mit einem Listenhund. Nicht angeleint. Der Hund. Nach dreimaliger, höflicher Aufforderung meinerseits, sie mögen doch bitte den Hund an die Leine nehmen, passierte gar nichts.
Ein junger, ungehobelter kleiner «Ströpflig» starrte mich mit hohlen, verständnislosen Augen an und bevor ich noch deutlicher werden konnte, rief er mir stinkfrech zu:
«Verpiss di, Alti!»

Ganz ehrlich, ich musste mich zusammenreissen, dass ich nicht gleich losprustete vor Lachen - wäre pädagogisch unpassend gewesen. Aber so hat mich tatsächlich noch keiner genannt! Im Leben nicht. Seit diesem Zeitpunkt ist mir klar, dass wir auch über ein weibliches Schimpfwort mit dem Anfangsbuchstaben «A» verfügen…

Susan Osterwalder-Brändle, stgallen24-Kolumnistin