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Stadt St.Gallen
11.07.2022
11.07.2022 16:31 Uhr

Getestet: Frischer Wind im Restaurant Scheitlinsbüchel

Lukas Fuster, Stefanie Ebneter und Andreas Fuster
Lukas Fuster, Stefanie Ebneter und Andreas Fuster Bild: PD
Nachdem die Familie Fässler nach 24 Jahren den Betrieb des beliebten Restaurants Scheitlinsbüchel Ende 2021 aufgab, übernahm im März ein junges Trio den Betrieb. Ist die Wiedereröffnung gelungen? stgallen24 hat sich durchs Menü getestet.

Im grünen Gürtel der Stadt St.Gallen liegt am Freudenberg das beliebte Ausflugsrestaurant Scheitlinsbüchel. Seit März 2022 wird das Restaurant, das den Ortsbürgern der Stadt St.Gallen gehört, vom jungen Team bestehend aus den Gebrüdern Lukas und Andreas Fuster mit Stefanie Ebneter geführt.

Nach den wegen Corona unsicheren zwei Jahren hat sich nach Beendigung des Pachtverhältnis der Familie Fässler das Trio um das traditionsreiche Lokal beworben und den Zuschlag für die Übernahme bekommen. Motiviert und voller Ideen startete das Team im Frühling dieses Jahres. 

Junges Trio tritt in grosse Fussstapfen

Die zwei Brüder haben beide eine gut fundierte Ausbildung im Gastgewebe hinter sich. Küchenchef Lukas Fuster hat nach abgeschlossener Konditor-Confiseur-Lehre und diversen Aufenthalte im Ausland auch noch eine Kochlehre abgeschlossen. Sein Können festigte er mit verschiedenen Anstellungen in der Schweiz. 

Chef de Service Andreas Fuster ist ebenfalls gelernter Koch. Er füllte seinen Rucksack unter anderem mit Erfahrungen bei Anton Mosimann in London, bei Pierro Ayer in Fribourg und bei Robert Speth in der Chesery in Gstaad. Er ist ausserdem Absolvent der Hotelfachschule in Thun.

Stefanie Ebneter kümmert sich momentan um das Restaurant Intermezzo. Das gediegene Restaurant des Tennisklubs in Rotmonten haben die drei 2021 als ihr erstes gemeinsames Projekt übernommen.

Doch kann das junge Trio auch den Erwartungen der Ausflügler im «Scheitlinsbüchel» gerecht werden? stgallen24 hat das Restaurant unter die Lupe genommen und bewertet Ambiente, Service, Essen und Preis-Leistungs-Verhältnis.

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Ambiente

Das Restaurant im Naherholungsgebiet bei den Drei Weieren mit grosser Terrasse und schattenspenden Kastanien bietet eine tolle Aussicht über die Stadt St.Gallen bis hin zum Bodensee. Vor dem Lokal in ländlicher Umgebung gibt es einen Spielplatz mit dem kultigen Karussell für die Kinder. Genügend Parkplätze und Veloständer stehen den Gästen zur Verfügung.

Der Scheitlinsbüchel bietet ein bodenständiges Ambiente in gepflegtem Rahmen. Die grosse Fensterfront Richtung Stadt durchflutet den Raum mit Sonnenlicht, die Tische sind schlicht, aber sauber gedeckt. Ein Gestell mit Kinderspielsachen wartet darauf, von den Kleinen entdeckt zu werden.

Im Gartenhaus können Anlässe wie Firmenfeste, Geburtstagsfeiern oder Weihnachtsessen bis 50 Personen ausgerichtet werden. Die grösste Gesellschaft, die im Scheitlinsbüchel verpflegt wurde, umfasste sogar 200 Personen ...

Service

Obwohl das Lokal an diesem sonnigen Abend sehr gut besucht ist, fehlt es uns an nichts. Der Service, der alle Hände voll zu tun hat, ist freundlich und dezent. Aufmerksam wird der Wein nachgeschenkt und gefragt, ob wir schon für den nächsten Gang bereit seien oder lieber noch eine Pause machen möchten. Andreas Fuster ist ein aufmerksamer Gastgeber!

Essen

Die Speiskarte umfasst eine gute Auswahl an verschiedenen Gerichten. Eine gesunde Salatbowl, urchige Chäshörnli mit oder ohne Siedwurst, gebackene Pilzknusperli, ein währschaftes Schnitzel mit Pommes und ein delikates Kalbsmedaillon findet man ebenso auf der Karte wie Fischgerichte und vegetarische Alternativen. Das Fleisch kommt ausschliesslich aus der Schweiz. Manche Produkte werden von benachbarten Bauernbetrieben bezogen. Auch für die jüngsten Gäste steht eine Auswahl bereit.

Gestartet wird mit einer Tomatenvariation: Fein-säuerlich eingelegte Tomatenstücke, getrocknete Kirschtomaten und ein geschmackvolles Tomatenpüree begleiten eine zarte Burrata. Dann folgt ein handgeschnittes Rindstatar, das zart und perfekt abgeschmeckt. Wer es gerne etwas schärfer mag, kann mit separat gereichten Gewürzen und fermentierter Chilipaste nachwürzen.

Die gemischte Salatbowl besteht aus Eisberg mit Blumenkohlröschen, Gurken, Apfelspänen, Tomaten und Nüssen. Alles ist mit frischen Kräutern dekoriert, die teils aus dem eigenen Garten kommen. Dazu wird ein etwas langweiliges Weissbrot gereicht.

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Als Zwischengang kommen feine Chäshörnli mit Röstzwiebeln auf den Tisch – und man denkt: Genau so müssen Chäshörnli sein. Der Fischgang ist ein confierter und im sous-vide gewärmter Lachs mit Basilkum-Oreganoknödel und Cherry-Tomaten. Der Garpunkt des Fisch ist perfekt und die säuerliche Note der Tomaten umspielt den Gaumen.

Dann folgt ein BBQ- Schulterfilet vom Rind. Zuerst wird das Fleisch angeräuchert und danach 17 Stunden geschmort. Die hervorragende Rauchnote geht in der Enttäuschung über das nicht ganz zarte Fleisch beinahe unter. Dazu gibt es Lauch und etwas zu stark gebratene junge Kartoffeln. Die BBQ-Sauce ist rassig, die Säure harmoniert mit dem Rind.

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Als vegane Hauptspeise gibt es ein spannendes Malz-Trebergeschnetzeltes, gewonnen aus einem Nebenprodukt des Brauprozesses der Brauerei Locher.

Als Abschluss kommt ein herausragender lauwarmer Schlorzifladen und eine Tartelette gefüllt mit weissem Schokoladenmousse und Beeren auf den Tisch. Als Digestif gibt es einen fassstarken 58 prozentigen Panama-Rum, der mit Hilfe von Wasser auf eine angenehme Trinkbarkeit gebracht werden kann.

Getrunken wird als Aperitif ein Prosecco mit karamellisierten Rhabarberstücken und zum Fisch ein spritziger Weissburgunder aus Rheinhessen vom Weingut Juliane Eller. Zu den Hauptgängen wird uns ein hervorragender Pinot Noir Barrique vom Ochsentorkel in Thal empfohlen. An diesem Weingut sind die St.Galler Ortsbürger beteiligt. Schön, wenn regionale Produkte auf der Karte zu finden sind!

Die Weinkarte ist übersichtlich gestaltet. Es gibt nur Weine aus der alten Welt; glasweise, in der 7-Deziflasche oder auf Wunsch auch in Grossflaschen erhältlich.

Preis-Leistung

Gute Qualität kann nicht billig sein. Die verarbeiteten Produkte sind hochwertig und vieles ist aus der Schweiz – das hat seinen Preis. Aber für den Aufwand und das solide Handwerk ist die Preispolitik absolut in Ordnung.

Auf der Speisekarte findet sich für jedes Budget etwas. Die Vorspeisen liegen zwischen 8 und 26, Hauptgänge gibt es zwischen 19 und 46 Franken.

Würden wir wiederkommen?

Ja, auf alle Fälle. Die Aussicht und die Schönheit der Umgebung sind eigentlich schon Grund genug für einen Besuch. Was das junge Team um die Gebrüder Fuster bietet, entspricht einem modernen Betrieb für die breite Öffentlichkeit.

Die Herzlichkeit und das Engagement der Gastgeber sind erfreulich.

Gibt es ein Restaurant in St.Gallen oder Umgebung, das wir unbedingt testen sollten? Lassen Sie es uns wissen unter redaktion@stgallen24.ch oder via Instagram. 

Christoph Ziegler/stgallen24