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Gesundheit
28.05.2020
28.05.2020 11:25 Uhr

Pandemien: Weil wir Tiere essen?

Die Wissenschaft nimmt an, der Ursprung von Covid-19 stamme vom Tier. St.Galler Veganer fordern deshalb ein Umdenken beim Fleischkonsum.

Der örtliche Ursprung der Coronavirus-Epidemie in China ist laut BAG wahrscheinlich ein Markt der zentralchinesischen Stadt Wuhan. Dort wurden nebst Fisch auch Fledermäuse, Schlangen und weitere Wildtiere gehandelt. Das Virus wurde von Tieren, wahrscheinlich von Fledermäusen oder indirekt via Schuppentiere, auf den Menschen übertragen. Seither wird das Virus von Mensch zu Mensch übertragen.

Umweltorganisationen sehen den Ursprung des Virus generell beim Konsum von tierischen Produkten. Es bräuche unbedingt ein Umdenken. Diese Aussage unterstützt auch die Organisation «Vegallen», die über das vegane Angebot in der Region St.Gallen informieren und diverse Events organisieren will. Auf ihrer Instagram-Seite veröffentlichte «Vegallen» kürzlich diesen Post:

Von Tier zu Mensch
Laut der Fondation Franz Weber (FFW) sind zahlreiche Pandemien, von denen Menschen betroffen sind, durch den Verzehr von Tieren ausgelöst worden. Als Beispiel nennt die Umweltorganisation HIV/AIDS, BSE/Rinderwahnsinn, Nipah, Schweinegrippe, Sars, Vogelgrippe, Ebola und nun eben auch Covid-19. Sie alle sind Zoonosen, also Krankheiten, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden. 

Der enge Kontakt zwischen Mensch und Tier, wie er insbesondere auf Tiermärkten stattfindet, sei laut FFW ideal für die Ausbreitung tödlicher Epidemien. Deshalb fordert die Fondation Franz Weber Verantwortung und greifende Massnahmen gegen den Handel mit bedrohten Wildtieren zu ergreifen.

Pandemien vermeiden
Die intensive Viehzucht zerstöre gleichzeitig die biologische Vielfalt, beanspruche Land, vergeude und verschmutze Wasser, verursache Treibhausgase und erfordere massiven Antibiotikaeinsatz, gegen den Bakterien je länger, je mehr Resistenzen entwickeln. «Unsere Gesundheit wird durch den Verzehr dieser Tiere direkt gefährdet», heisst es. Ziel sei es unter anderem, Pandemien zu vermeiden statt zu bekämpfen und die Übernutzung von Tieren im Rahmen der Massentierhaltung zu unterbinden.

Experten geben Entwarnung
Bei Covid-19 gibt es derzeit keine Fälle, bei denen nachgewiesen ist, dass sich Menschen auf anderem Weg, etwa über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel oder durch Kontakt zu kontaminierten Gegenständen, mit dem Coronavirus infiziert haben.

Dr. med. vet. Albert Fritschte vom Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen in St.Gallen sagt: «Fakt ist, dass überall, wo Menschen mit Menschen, Tiere mit Tieren und Menschen mit Tieren nahe zusammenkommen oder zusammenleben, Viren und Bakterien ausgetauscht werden. Durch Mutation und Austausch von Genen verändern sich die Eigenschaften von Viren und Bakterien. Sie sichern sich so das Überleben unter neuen Bedingungen. Dabei ist es jederzeit möglich, dass sich irgendwo auf der Welt ein Erreger bildet, der das Potenzial hat, sich schnell und pandemisch, d.h. weltweit, auszubreiten. Zum Glück passiert dies äusserst selten. Bis es zu einer Pandemie kommt, müssen noch sehr viele weitere Faktoren zusammenspielen.»

Auch Christian Griot, Leiter des Instituts für Virologie und Immunologie des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, sieht unterschiedliche Gründe für die Verbreitung von Krankheiten wie Covid-19. Er nennt die Globalisierung, Klimaerwärmung, Reisetätigkeiten oder das zerfallende Gesundheitswesen. Die aktuelle Pandemie sei also nicht nur dem Fleischkonsum geschuldet.

Miryam Koc