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Stadt St.Gallen
25.06.2022
25.06.2022 09:15 Uhr

Festspiele fulminant gestartet

Einmal mehr eine prächtige Kulisse: das Kloster
Einmal mehr eine prächtige Kulisse: das Kloster Bild: stgallen24/stz.
Trotz schlechter Wetterprognosen fand gestern Abend die Premiere zu «Giovanna d'Arco» auf dem Klosterhof statt. Auch einige Regengüsse während der Aufführung taten der Inszenierung keinen Abbruch – die Oper von Giuseppe Verdi vermochte das Publikum zu begeistern.

Ob es weise (Wetter-)Voraussicht war, dass das Orchester nicht vor Ort in einem Orchestergraben spielte, sondern in der Tonhalle und der Ton per Glasfaser auf den Klosterhof übertragen wurde? – Wie dem auch sei: Trotz Temperaturen um die 15 Grad und einiger Regengüsse starteten die St.Galler Festspiele die Saison 2022 mit der Premiere von Verdis Version der Jungfrau von Orléans mit einer tollen Aufführung.

Empfand man das Bühnenbild zu Anfang vielleicht als noch etwas schlicht, änderte sich das dann aber, sobald die Dunkelheit einbrach und die Klostertürme lichttechnisch mit einbezogen wurden – grandios!

Auch die eingangs erwähnte Aufsplittung von Orchester und Stimmen ist gelungen; die technische Tonqualität war überragend, und wer wollte, konnte Dirigent Modestas Pitrenas via Bildschirm beobachten.

Das taten wohl die wenigsten, denn das Geschehen auf der Bühne vermochte rundum zu fesseln – das ist, natürlich, einerseits der spannenden Geschichte geschuldet (siehe Box), andererseits dem Grossmeister aus Bussetto, denn mit Giuseppe Verdi kann man eigentlich nichts falsch machen.

Und das haben die St.Galler Festspiele auch nicht – sieht man der dem Regietheater geschuldeten Konstümierung ab, die mit ihrem Stilmix aus verschiedenen Epochen wenig mit der damaligen Mode zu tun hat, war die ganze Aufführung eine einfach schöne, gelungene Darbietung: tolle Stimmen, eingängige Musik (selbst wenn Verdis Frühwerk die ganz grosse, bekannte Arie fehlt) und engagierte Darsteller von jung bis alt, von Hauptrolle bis zum Statisten.

Selbst Petrus  hatte seine Freude an der Aufführung: Schon bald stellte er seine Ergüsse ein, sodass das Publikum den grössten Teil trocken geniessen konnte. So mussten die Zuschauer am Schluss auch nicht von der Tribüne hasten und konnten die Premiere mit einem mehrminütigen, begeisterten Applaus verdanken.

Mehr Informationen zu den St.Galler Festspielen 2022 (24. Juni bis 8. Juli) finden Sie in der LEADER-Sonderausgabe dazu.

Bild: stgallen24/stz.

Zum Stück

Inspiriert von Friedrich Schillers Drama erzählt Giuseppe Verdis 1845 uraufgeführte Oper Giovanna d’Arco eine ganz eigene Version der Legende von Frankreichs Nationalheldin Jeanne d’Arc – dem einfachen Bauernmädchen, das das französische Heer zum Sieg über die englischen Besatzer führte.

Verdi und sein Librettist Temistocle Solera porträtieren Giovanna nicht als heldenhafte, jungfräuliche Kriegerin, die am Ende einen glorreichen Märtyrertod auf dem Scheiterhaufen stirbt. Vielmehr steht in ihrer Interpretation eine tiefreligiöse, verletzliche junge Frau im Zentrum, die durch ihre Liebe zum französischen König Carlo in einen tiefen Gewissenskonflikt gestürzt wird. Am Ende entscheidet sich Giovanna gegen ihre Gefühle und für die göttliche Mission und fällt am Ende für ihr Vaterland auf dem Schlachtfeld.

Im Klosterhof wird Verdis Oper, in der Momente intensivster Intimität mit grossangelegten Massentableaus im Stile der französischen Grand opéra kontrastieren, in der Inszenierung von Regisseurin Barbora Horáková zu sehen sein, die 2017 mit einem Preis beim Ring Award in Graz und 2018 als Newcomer des Jahres bei den International Opera Awards ausgezeichnet wurde.

Mehr Informationen und Tickets: www.stgaller-festspiele.ch

stgallen24/stz.