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Kanton
10.08.2022
10.08.2022 15:10 Uhr

«Mit 170 kg war ich selber mit Mobbing konfrontiert»

Richie Aloi will sich weiterhin aktiv gegen Mobbing einsetzen
Richie Aloi will sich weiterhin aktiv gegen Mobbing einsetzen Bild: zVg
Der Balgacher Richie Aloi unterstützt die Organisation «Stop Mobbing» und hat dazu einen speziellen Song veröffentlicht. Der 29-jährige E-Business Spezialist und Fussballtrainer beim FC Widnau möchte mithelfen, die Gesellschaft für diese Thematik noch besser zu sensibilisieren - nicht zuletzt auch aus eigener Erfahrung.

Richie, Du wurdest von der Organisation «Stop Mobbing» angefragt, einen Song zum Thema zu realisieren. In welchen Bereichen ist diese Organisation aktiv? Wer steht dahinter? 

Ich wurde von Gabriel Oldham angefragt, einen Song zum Thema «Stop Mobbing» zu realisieren, um der Initiative zusätzliche Aufmerksamkeit zu verleihen. Die Gruppe wurde erst kürzlich gegründet, sie setzt sich gegen Mobbing ein, geht an Schulen und führt dort Workshops zum Thema durch. Erst kürzlich waren wir an einem Grümpelturnier und machten dort auf das Thema Mobbing im Fussball aufmerksam. Neben mir und Gabriel Oldham stehen verschiedene Menschen hinter dieser Organisation, teils kennt man diese Exponenten aus Social Media, teils sind es Leute, die mit Social Media nichts am Hut haben.

Was hat Dich bewogen, bei dieser Initiative mitzumachen?

Als die Anfrage kam, war ich sofort dabei. Seit meiner Jugend habe ich mit meinem Gewicht zu kämpfen, mein Höchstgewicht war 170 Kilogramm. Dadurch war ich selbst oft mit Mobbing konfrontiert.

Du hast aktiv Fussball gespielt und bist seit längerem auch Fussballtrainer, aktuell trainierst Du die A-Junioren des FC Widnau. Hast Du während Deiner Fussballzeit, als Aktiver oder Trainer, selber schon Mobbing-Situationen erlebt?

Ich bin seit meinem 13. Lebensjahr Fussballtrainer und habe jede Stufe im Junioren-Bereich durchlaufen. Je älter die Spieler werden, umso wichtiger wird das Thema. Dass auf dem Fussballplatz die eine oder andere Provokation fällt, gehört bei diesem Spiel dazu. Emotionen gehören zum Sport. Ich denke, während des Spiels ist es nicht ein bewusstes «Mobben», sondern eine Möglichkeit, den Gegner aus dem Konzept zu bringen. Allerdings erlebe ich Mobbing-Situationen in anderen Bereichen auf den Fussballplätzen, zum Beispiel durch Zuschauer.

Leider haben wir heute immer noch das Problem, dass einige Nationalitäten und Religionen nicht vollumfänglich akzeptiert werden. Die Betroffenen spüren dann das oftmals. Ressentiments werden nicht direkt ausgesprochen, aber man gibt diesen Personen subtil das Gefühl, nicht willkommen zu sein. 

Wie geht man aus Deiner Sicht bei den Vereinen mit diesem Thema um?

Stand heute denke ich, dass dieses Thema in den Vereinen zu wenig angesprochen wird. Ich komme zurück auf die sogenannten Fans und Anhänger dieser Mannschaften. Diese können sich während einem Spiel verhalten, wie sie wollen, jedoch habe ich selten erlebt, das aktiv dagegen vorgegangen wurde. Die Jugend schaut ab, sie ist das Spiegelbild der Erwachsenen. Auch ich musste diese Erfahrung machen und habe gelernt, mich auf dem Platz besser und vorbildlicher zu verhalten.

Mobbing findet in allen gesellschaftlichen Bereichen statt. Wird aus Deiner Sicht genügend dagegen unternommen? Und wo siehst Du Möglichkeiten, das Thema noch stärker in der Gesellschaft zu etablieren?

Ich denke, dass es zu wenig angesprochen wird. Es fehlen couragierte Leute, die darauf aufmerksam machen. Ich hatte eine Zeit als Fussballtrainer, in der ich fast wöchentlich Karten (Verwarnungen) abgeholt habe. Irgendwann ist man auf mich zugekommen und hat mir gesagt, dass dies keine gute Falle mache. Als Trainer müsse man als gutes Beispiel vorangehen. Ich war sehr dankbar, dass man mir das so offen und direkt mitgeteilt hat, denn es war mir zu diesem Zeitpunkt gar nicht richtig bewusst. Und genau darum engagiere ich mich für «Stop Mobbing». Wir wollen die Leute für dieses Thema sensibilisieren. Sei es mit Musik, mit Benefizspielen, etc. Jeder auf seine Art.

Engagierst Du dich weiter in der Organisation «Stop Mobbing»? Gibt es allenfalls schon weitere Projekte?

Ich werde weiterhin Teil von «Stop Mobbing» sein. Ich habe in der Vergangenheit bereits öfters Projekte für soziale Zwecke auch selbst auf die Beine gestellt und werde dies auch in Zukunft machen. 

Weitere Informationen zur Organisation «Stop Mobbing» finden Sie hier.

Bild: zVg
red/rheintal24/stgallen24